Vom Glück und dem gegenwärtigen Augenblick

Die Flucht aus dem gegenwärtigen Augenblick

Da rappelt sich unser Geist und unser Bewusstsein morgens nach dem Erwachen mühsam in den Tag und schon wird er fortgefegt hinein in unseren alles beherrschenden  Zeitplankalender: 11.00 Uhr Meeting mit Dr. Vorstand (ich muss die Vorlage nochmal durchgehen), 13.00 Uhr Mittagessen mit …(oh wird das anstrengend), 17.30 Uhr Zahnarzt (elendes Geräusch). (Ich möchte sogern mal wieder zur Ruhe kommen und entspannen).
Wohlgemerkt wir liegen gerade noch im Bett. Eigentlich ein schöner Ort, um zur Ruhe zu kommen und zu entspannen. Das wäre Ihr Preis gewesen, aber leider den Moment, den gegenwärtigen Augenblick verpasst.

Von der zersetzenden Wirkung der Vergangenheit und der Zukunft

Unsere Gedanken wandern entweder in die Zukunft und beschäftigen sich mit allen möglichen zu erwartenden Eventualitäten, man nennt das neudeutsch auch Sorgen und Ängste. (ob ich das je erreichen werde?). Oder sie wandern in die Vergangenheit. Dort sind beliebte Gedankenspiele das lamentierende Bereuen (ach hätt ich doch) oder auch das huldvolle Schmachten (es wird nie wieder so schön wie es damals war). Die neutrale Version davon ist die erinnerende Freude (was für ein schöner Urlaub das war). Aber egal wo wir uns gerade aufhalten auf unserer Zeitschiene, wir erliegen dem größten Irrtum der Menschheit, das ist die Wenn – Dann Falle.

Die Wenn-Dann Falle

Es könnte sein, dass Sie die Wenn-Dann Falle kennen. Wenn ich befördert bin, selbständig bin, dann wird alles anders. Wenn wir ein Haus haben, wird unsere Ehe endlich glücklich. Wenn ich diese Partnerin habe, dann ist alles anders. Wenn ich so und so viel Geld auf dem Konto habe, angelegt habe, Aktien gekauft habe, dann fühle ich mich sicher. Wenn ich Geschäftsführer bin, zollt man mir Anerkennung. Wenn ich das Auto fahre, dann bin ich glücklich. Wenn wir uns den Urlaub nach …. gönnen, dann….!  Ich glaube, ich kann aufhören, Sie wissen sicher, was ich meine. Der größte Irrtum der Menschheit, die Wenn-Dann Falle gaukelt uns den Irrtum vor, dass uns irgendwelche materiellen Dinge oder Ereignisse in eben diesen Zustand führen, den wir uns alle so sehnlichst wünschen. Glück und Zufriedenheit.

Vom Wert der Dankbarkeit

Dabei übersehen wir, dass er, der Augenblick unserer größten Erfüllung direkt vor unserer Nase liegt. Zum Greifen nah. Direkt jetzt in diesem Moment. Genau im gegenwärtigen Augenblick. Oder auch in jedem anderen nächsten Moment. Das einzige, was wir tun müssen, um diesen gegenwärtigen Augenblick zu ergreifen ist, aus der Vergangenheit oder der Zukunft zurück in die Gegenwart zu kommen. Sie erinnern sich? Gerade aufgewacht, mollig warm im Bett, Kissen im Nacken, Leintuch ist spürbar auf der Haut, Luft ist angenehm kühl. Gedanken an die Zukunft oder Vergangenheit abschalten. Fühlen. Es fehlt an nichts. DANKBARKEIT. Für das Bett, die Wohnung, das Haus, den Partner, die zwei Beine, und falls das alles fehlt, für das LEBEN selbst. Es ist nicht selbstverständlich.

Das Wunder

Und dann passiert es, das Wunder. Es passiert, wenn wir im Moment verweilen. Im gegenwärtigen Augenblick. Dann kommt es, erst ganz langsam und dann immer stärker, Wie eine Woge hüllt es uns ein. Das Gefühl von grenzenlosem Glück und vollständiger Zufriedenheit. Wie in einer Wolke aus weicher, warmer Watte gebettet. Besser als der erste Pudding der Mutter und jeder Orgasmus. DA IST ES. Gerade hier in diesem Moment. Das Tor zur Freiheit. Das Tor mit dem wir alles Hasten, Rennen, Erreichen, noch mehr brauchen, hinter uns lassen.

Ich habe ja einige Zeit gebraucht bis ich erkannt habe, was das ist, diese weiche, warme Wolke aus Watte. Es ist meine Essenz, Gott, mein Selbst, Die Seele, übrigens Ihr bester Mitarbeiter, die höhere Absicht. Und mit diesem Wohlgefühl kommen die Impulse ihrer Intuition, die guten Begegnungen, die unplanbaren Zufälle, die wundervollen Ereignisse, die unerwarteten Telefonate, die zufälligen Beförderungen wie ein goldener Regen in unser Leben. Das hat vor mir aber schon Jean-Pierre Caussade entdeckt, ein französischer Jesuit. Bei ihm hieß es: „Der gegenwärtige Augenblick ist stets voll unendlicher Schätze“.

Schätzen Sie den Wert des gegenwärtigen Augenblicks, des jetzigen Moments. Es ist das pure Gold. Übrigens wertstabil, keinem Weltmarkt unterworfen und diebstahlsicher.

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